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Die Anfänge von Handel und Gewerbe in Ellenberg
Die Anfänge von Handel und Gewerbe in Ellenberg

Das Barackenlager für die Flüchtlinge in Ellenberg bestand aus ca. 34 Gebäudeeinheiten die mit 600-750 Personen belegt waren. Fest angestellt waren ein Lagerleiter, Lagerarbeiter und ein Nachtwächter, der einen Stundenlohn von 0,50 RM für seine Arbeit bekam. Innerhalb des Lagers entstand die "Fischfabrik Ellenberg GmbH" durch 4 Gesellschafter. Max Pagel, Alfred Kohn, Heinz Pfingsten und Wilhelm Paul. Die gemietete Baracke hatte weder Dach, noch Fenster und Türen. Es standen nur die 4 Umfassungsmauern, die Instandsetzung sollte ca. 4.000 RM kosten.

Im Jahre 1958 verlegte man die Produktionsstätte auf das Gelände des früheren Gutes Loitmark. Die Zuckerfabrik Schlei AG pachtete 21 ha Land von der Gemeinde, wollte aber, bevor die Industriegebäude gebaut wurden, die hohe Pacht von 1.086.-DM, das sind ein halber Pfennig pro Quadratmeter, nicht mehr bezahlen. Die Liquidation übernahm die Treuhand AG. Sie wollte das Grundstück am 24.August 1950 wieder veräußern, konnte aber keinen Interessenten finden, weil das Barackenlager mit übernommen werden mußte. 1952 erwarb die Hansa-Heimbau Lüder KG Kiel das ganze Grundstück. Am 1. Februar 1946 eröffnete Frieda Remane einen Gemischtwarenhandel im Lager Ellenberg. Sie stellte am 9. November 1948 den Antrag auf Vollkonzession für Spirituosen und Weine und einen Antrag zum Ausschank von Branntwein und den Verkauf von Branntwein in geschlossenen Flaschen. Nach einigen Auflagen zB. getrennten Toiletten, nahm sie Abstand von dem Antrag.

Herbert Leisering gründete eine Firma zur Fertigung von Strohschuhen, Taschen und Hüte. Zeitweise fanden 55 Menschen Arbeit in der Strohfabrik. Ihm wurde am 20. Januar 1948 gekündigt, weil die Zuckerfabrik das Lager übernehmen wollte. Gründung einer Nerzfarm in Ellenberg durch die Fa. Adolf Schwandt & Söhne. 1948 wurde der Fa. gekündigt. Die Zuckerfabrik wollte ihm nach der Übernahme keine Baracke mehr überlassen. Gründung eines weiteren  Lebensmittelgeschäftes seit 1946 von Georg Rauch. 1950 beantragte Rauch die Erlaubnis auch Kohlen zu verkaufen und einen Kleinhandel mit Spirituosen in Flaschen.

1950 wurde von Franzl Swoboda in Ellenberg-Lager eine Einzelhandelverkaufsstelle eröffnet. Das Geschäft wurde aber von seiner Frau geführt. Swoboda betrieb dazu eine Holzbearbeitungswerkstatt. 1956 stellte Hedwig Swoboda einen Neuantrag, der abgelehnt wurde. Es standen keine geeigneten Geschäftsräume zu Verfügung und es wurde an der Sachkunde gezweifelt, es fehlte in den früheren Geschäftsräumen an Sauberkeit, und der Ehemann hatte erhebliche Schulden hinterlassen. Das Lebensmittelgeschäft von Erwin Lutzke wurde zuerst in Ellenberg-Lager geführt, zog dann  am 1. Juni 1950 in eine Bude am  Fährberg in Kappeln um. Am 31. März 1954 zog er wieder  nach Ellenberg-Lager zurück. Außerdem befanden sich ein Frisierraum von Gustav Litty, eine Schuhmacherwerkstatt von Jacob Bretz, eine Holzschuhmacherwerkstatt von Willy Stamer, ein Postraum von Gustav Schulz und ein Tabak-Aufbewahrungsraum von Otto Kablitz im Lager.

Der Kindergarten wurde am 24. Mai 1949 angelegt. In den Jahren 1946-48 wurden im Lager noch Lagerpferde von der Gemeinde gehalten, um die Fäkalien und den Müll abtransportieren zu können. Da aber keine Futteranbaufläche mehr vorhanden war, weil sie für Gärten genutzt wurden, mußten die Pferde abgegeben werden. Fortan übernahm die Fa. Isaack die Fuhren. Die Toiletten wurden dreimal im Jahr geleert. Die abgefahrenen Menge betrug 129 Kubikmeter. Am 5. Dezember 1949 wurden auf dem ganzen Gelände in Ellenberg-Lager drei öffentliche Beleuchtungsstellen eingerichtet. Der Lagerleiter sowie der Bürgermeister Reimer einigten sich auf eine Brenndauer von 18.00 bis 23.00 Uhr und Sonntags von 18.00 bis 24.00 Uhr.

Walter Brandt aus Ellenberg Holz bot wegen seiner Arbeitslosigkeit dem Kreis seine Hilfe an, indem er sein Fuhrwerk mit einem Mann für drei Mark die Stunde anbot. Die Gemeinde lehnte aber dieses Angebot ab, weil er dieses als Nebentätigkeit machte. Er war in erster Linie Holzfäller.

(C) Stadtarchiv Kappeln - H-P Wengel


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