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  Oloenitzer Kriminalakten landeten im Kappelner Stadtarchiv

Von: Werner Barz


Der Beauftragte der Fielmannstiftung Jürgen Oswald (r.) überreicht dem Kappelner Stadtarchivar Hans-Peter Wengel die alten Kriminalakten zu den Fällen Henning Goos und Johann Wilhelm Glaseck.

In der dritten Akte aus dem Jahr 1889 sind Olpenitzer Straftäter festgehalten.

KAPPELN (rz).
Besucher, die ein Geschenk mitbringen, sind ĂĽberall gerne gesehen, auch im Kappelner Stadtarchiv, im Kappelner Rathaus in der HindenburgstraĂźe. Hier konnte Stadtarchivar Hans-Peter Wengel  den Kunsthistoriker JĂĽrgen Oswald begrĂĽĂźen, der als Beauftragter der Fielmann-Stiftung durch die BRD reist, - immer auf der Suche nach Kunstschätzen fĂĽr das nördlichste Bundesland. Und die werden dann an die jeweils betroffenen Museen und Institutionen verschenkt. „Mittlerweile bin ich in Kontakt mit rund 100 Museen“, erklärte JĂĽrgen Oswald. „Und mein jährlicher Etat ist hoch. In der Regel liegt er bei 750.000 Euro/Jahr. Manchmal gebe ich auch bis zu  1,2 Mio. Euro aus.“
 Und jetzt war er wieder fĂĽndig geworden. Diesmal im Kieler „Aktionsheus Schramm“. Und er langte zu, als er sah, dass die Unterlagen, die er dort vorfand, Originale des Gutes Olpenitz waren: Eine Gerichtsakte aus dem Jahr 1770, den „16-jährigen Hofjungen Henning Goos“ betreffend, und eine „Kriminalakte ĂĽber Johann Wilhelm Glaseck“ aus dem Jahr 1816. Und es ist sogar noch eine dritte Akte hinzugekommen. Es ist das Strafregister aus dem Jahr 1880 mit den Namen aller straffällig gewordener Olpenitzer.
Henning Goos aus Brodersby, „Leibeigner Unterthan des  Gutes Olpenitz hatte sich Ostern 1970 unsichtbar gemacht, war aber wieder eingebracht worden. BegrĂĽndung: “. Henning Goos war „Leibeigner Unterthan“. Sein Herr war der Eigner des Gutes: der „Geheime Rath von Ahlefeldt“. In der Verhandlung gab Henning Goos an, von „Knecht Henning Ohlsen“ wiederholt geschlagen worden zu sein. Seine Schwester Friedericia gab zu Protokoll, dass sie mit ihrem Bruder gehen wollte. Der lehnte das aber ab. Am Ende wurden Bruder und Schwester begnadigt. Sie mussten aber dafĂĽr den Treueeid ablegen. Die Mutter Anna Christina Goos aber wurde zu einer „8 Tägigen Strafe auf Wasser und Brod Condemniret“, weil sie – original Amtsdeutsch: „Es habe nicht haben wollen, aber davon gewuĂźt habe, dass ihr Sohn Henning das Gut verließ“. Das war eine harte Strafe.
Härter ging es im Fall Johann Wilhelm Glaseck zu.  Der 35-jährige in Konkurs gegangene Unternehmer war angezeigt worden, weil  er „Leinen von der Bleiche gestohlen“  hatte. DarĂĽber hinaus war er bereits vorher gegen einen Kanzleiangehörigenbei einer Amtshandlung tätlich vorgegangen. DafĂĽr wurde er mit drei Jahren Zuchthaus bestraft. „Nach Ableistung der Strafe ging er nach Brodersby.“ Hier lebte seine Familie. Hier soll er dann den Leinendiebstahl begangen haben. DafĂĽr forderte sein Verteidiger aus verschiedenen GrĂĽnden eine milde Strafe: Er begrĂĽndet das damit, dass der „Diebstahl eine kleine gemeine Tat ist“. Dennoch wird der mit einer „fĂĽnfjährigen Karrenstrafe belegt“ und muss fĂĽr das Gemeinwesen arbeiten.
Die Akten, da steht noch viel mehr ĂĽber die beiden Täter – geschrieben in schönster Handschrift -, ĂĽbergab JĂĽrgen Oswald dem Kappelner Stadtarchivar Hans-Peter Wengel. Und  der war nicht wenig ĂĽberrascht, als er feststellte, dass er die Akten bereits 1998 auf Gut Olpenitz bearbeitet hatte. Der damalige Gutsherr Weller von Ahlefeldt hatte nachgefragt, ob er diese Arbeit ĂĽbernehmen könne. Daraus isst ein rund 150-seitiger Skript entstanden, der gut les- und verstehbar geworden ist.
Doch, wo die Originalakten geblieben waren, wusste Hans-Peter Wengel nicht. Das hat sich ab sofort geändert.  Sie sind sicher im Kappelner Stadtarchiv abgelegt.
Bei der Ăśbergabe versprach Hans-Peter Wengel, dass jeder
Interessierte die von ihm erstellte Hochdeutsch-Fassung lesen darf. Und die ist wahrlich nicht langweilig. Wer das möchte, muss allerdings zum Stadtarchiv im Kappelner Rathaus in die Hindenburgstraße kommen.


  Datum: 05.08.19 09:49 Uhr



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