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  Alternativen zur festen Belt-Querung

Von: Werner Barz


Zu Beginn der Januar-Mitgliederversammlung des Nautischen Vereins Kappeln im Restaurant „Pierspeicher“ begrĂŒĂŸte Vorsitzender Rainer Gause rund 50 Besucher.

Zu Beginn der Januar-Mitgliederversammlung des Nautischen Vereins Kappeln im Restaurant „Pierspeicher“ begrĂŒĂŸte Vorsitzender Rainer Gause rund 50 Besucher.

Zu Beginn seines Vortrags stellte Frederik Erdmann die wichtigsten deutsch-dÀnischen Verkehrsadern vor.

Zu Beginn seines Vortrags stellte Frederik Erdmann die wichtigsten deutsch-dÀnischen Verkehrsadern vor.

Mit einem „Aal von Föh“ bedankt sich Rainer Gause (l.)bei Federik Erdmann fĂŒr einen interessanten Vortrag.

Mit einem „Aal von Föh“ bedankt sich Rainer Gause (l.)bei Federik Erdmann fĂŒr einen interessanten Vortrag.

„Die feste Beltquerung und ihre (schwimmende) Alternative“ war das zentrale Thema auf der Mitgliederversammlung des Nautischen Vereins Kappeln im Restaurant „Pierspeicher“ im Nordhafen. Als Referenten hatte Vorsitzender Rainer Gause mit dem Diplomkaufmann Frederik Erdmann von der „Wyker Dampfschiffsreederei“, zugleich Vorsitzender des Nautischen Vereins Nordfriesland, einen kompetenten Redner anheuern können. Dass er damit richtig lag, bewies der gute Besuch. Denn zu der Veranstaltung konnte Rainer Gause rund 50 Besucher begrĂŒĂŸen. Er ließ in seiner BegrĂŒĂŸung das Vereinsjahr noch einmal Revue passieren. Anschließend hatte Frederik Erdmann das Wort, der sich in einem spannenden, mit Bildern unterlegten Vortrag rund 90 Minuten mit dem o. a. Thema auseinandersetzte und  am Ende zu der Einsicht kam, dass die derzeit angepeilte Zeitplanung fĂŒr die geplante feste Fehmarnbelt-Querung nicht zu halten ist. Der ursprĂŒngliche Plan gab vor, den Fehmarn-Belt-Tunnel im Zeitraum 2015 bis 2021 zu erstellen. Das gilt schon lange nicht mehr. Mit dem Bau ist noch gar nicht begonnen worden. Neuer  Fertigstellungstermin ist jetzt das Jahr  2028. Diese Zeitplanung zweifelte der Referent ebenfalls an. Glaubt aber „zu 80%, dass der Belt-Tunnel  gebaut wird“.

Im ersten Teil seines Vortrags stellte Erdmann die derzeitigen deutsch-dĂ€nischen Verkehrsadern vor. Das sind neben  der Autobahn A7, mit Anschluss an die großen dĂ€nischen und schwedischen Industriegebiete ĂŒber die Autobahn FĂŒnen und die Große-Belt-BrĂŒcke, die WestkĂŒsten- Bundesstraße B5 und  zahlreiche FĂ€hrlinien. Die BeltbrĂŒcke von FĂŒnen nach Seeland  hat nach Ansicht des Referenten die Wirtschaft in Ost- und WestdĂ€nemark vereint. ZusĂ€tzlich wurden durch die BrĂŒcke nach Malmö das sĂŒdschwedische und das ostdĂ€nische Industriegebiet zusammengeschlossen.

Im Rahmen des geplanten Tunnelprojekts auf der Vogelflugroute zwischen Fehmarn und Lolland soll ein 17,6 km langer Absenktunnel  mit Autobahnanbindung, beides vierspurig,  und einer Eisenbahnlinie gebaut werden. Hier soll eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h möglich sein und so die Fahrtzeit auf der Strecke Lolland – Fehmarn um 90 Minuten reduziert werden. Die Kosten fĂŒr den Tunnelbau (40,7 Mrd. Kronen) und die Hinterlandanbindung in DĂ€nemark (8 – 9 Mrd. Krone) zahlt DĂ€nemark. Deutschland muss die geplanten 2,2 Mrd. Euro fĂŒr die Landanbindung in Deutschland ĂŒbernehmen.

SpÀtestens in 40 Jahren soll sich die Ausgabe amortisiert haben, erklÀrte der Referent.

Durch den Fehmarn-Belt-Tunnel soll nicht nur die Fahrzeit verkĂŒrzt werden sondern auch ein immer geöffneter Transportweg zur VerfĂŒgung stehen, mit direkter Zugdurchfahrt und stĂ€ndigem Anschluss  an das europĂ€ische Transportnetz. Selbst UnfĂ€lle sollen die TunnelverfĂŒgbarkeit nur wenig gefĂ€hrden. Dazu wird ein Sicherheitssystem eingeplant, das den Wechsel der Tunnelröhre ermöglicht.

Allerdings hat der Tunnelbau einen negativen sozialen Effekt. Denn es werden 3.000 ArbeitsplĂ€tze in DĂ€nemark und 1.000 in Deutschland wegfallen, aber nur 300 neu geschaffen. Und dann sah der Referent durch den Tunnel und die damit verbundene Autobahn  zusĂ€tzlich  eine strukturelle SchwĂ€chung  fĂŒr das Urlaubsgebiet Fehmarn und fĂŒr Schleswig-Holstein. Damit könnte ein Verlust an LebensqualitĂ€t in Ostholstein einhergehen,  weil sich der Verkehr auf nur eine Region konzentrieren wĂŒrde.

„Gibt es dazu eine Alternative?“, fragte der Referent. Sie könnte von den Reedereien kommen. Sie könnten grĂ¶ĂŸere Schiffe anbieten mit umweltfreundlicherer Antriebsenergie. Frederik Erdmann stellte ein paar Möglichkeiten vor. Einige davon sind bereits im Einsatz. FĂ€hren haben den Vorteil, dass sie Seereisen erlebbar machen, die vorhandenen ArbeitsplĂ€tze erhalten und privatwirtschaftlich machbar sind. Die Umweltbelastung kann durch umweltfreundliche Antriebssysteme vermindert werden. So dass er zu der Überzeugung kam: „Keine Alternative, das geht nicht!“

Erdmann  bezweifelte die neue Planung, die er angesichts des Klagepotenzials und der damit verbundenen Kostensteigerungen  fĂŒr unrealistisch hĂ€lt. Dennoch glaubt er zu 80%, dass die feste Fehmarnbelt-Querung kommen wird. Irgendwann.

Im Anschluss an den Vortrag stand der Referent fĂŒr Fragen zur VerfĂŒgung. Als Dank fĂŒr den informativen Vortrag verabschiedete der Vorsitzende des Nautischen Vereins Kappeln, Rainer Gause, seinen Kollegen aus Nordfriesland, Frederik Erdmann, standesgemĂ€ĂŸ mit einem „Aal von Föh“.


  Datum: 06.02.18 09:00 Uhr



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