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  "Ton Steine Scherben & Gymmick" bot in der "Palette" ein Konzert der Superlative

Von: Werner Barz


„Special Guest“ beim „Scherbenkonzert“ war Angie Olbrich, die einige Lieder von Rio Reiser präsentierte.

„Special Guest“ beim „Scherbenkonzert“ war Angie Olbrich, die einige Lieder von Rio Reiser präsentierte.

Das Trio „Ton Steine Scherben & Gymmick“i n der Besetzung mit (v.l.): Funky K. Götzner  (Schlagzeug), Gymmick (Gitarre, Klavier) und Kai Sichtermann (Bass) bei m Aufritt in der „Palette“.

Das Trio „Ton Steine Scherben & Gymmick“i n der Besetzung mit (v.l.): Funky K. Götzner (Schlagzeug), Gymmick (Gitarre, Klavier) und Kai Sichtermann (Bass) bei m Aufritt in der „Palette“.

Das war ein Konzertabend der Extraklasse, wie ihn die Stammgäste der „Palette“ sicher so noch nie erlebt hatten. Veranstalter Hans-Peter Scholz war es gelungen, das wieder auferstandene Trio „Ton Steine Scherben mit Gymmick“ – oft nur „Die Scherben genannt“ – in der Besetzung mit Kai Sichtermann (Bass), Funky K. Götzner – heute: CajĂłn - (Schlagzeug) und   Gymmick (Gesang, Gitarre, Klavier) in seiner KĂĽnstlerkneipe auftreten zu lassen. Verstärkt wurde das Trio an diesem Abend bei einigen Liedern durch die Sängerin Angie Olbrich. Sie gehörte ab 1972 der zwei Jahre zuvor gegrĂĽndeten Formation „Ton Steine Scherben“ an. So wie Kai Sichtermann und CajĂłn auch.

Damals, in den 70-er und 80-er Jahren war „Ton Steine Scherben“ die bekannteste, sozialkritische Rockgruppe, die vor allem deutschsprachige  Songs präsentierte. Sie nahm damals fĂĽr sich in Anspruch, „die erste Rockband zu sein, die deutsche Rockmusik machte“. Damals noch mit Rio Reiser. Von dem 1996 verstorbenen Komponisten und Sänger stammt der weitaus größte Teil der „Scherben“-Songs. Der Rest stammt aus der Feder von Kai Sichtermann. Bereits 1971, ein Jahr nach der GrĂĽndung entstand die erste Schallplatte.

Aber nicht nur Musik und Texte der „Scherben“ waren sozialkritisch geprägt. Die Musikanten agierten damals in Berlin auch als „Sprachrohr des linksalternativen Spektrums“, z. B. in der Hausbesetzerszene. Man war sich nicht zu schade, Missstände öffentlich an den Pranger zu stellen.

1975 siedelte die Band von Berlin nach Fresenhagen/Nordfriesland um. Die Band bezeichnet das als Flucht. 1985 wurde die Band aus finanziellen Gründen aufgelöst.

2014 konnte ihre Wiederauferstehung mit den beiden Ur-Scherben Kai Sichtermann (Bassist seit 1970) und Funky K. Götzner (Schlagzeuger seit 1974, jetzt CajĂłn) gefeiert werden. Neu hinzugekommen ist  der Sänger und Pianist Gymmick  aus NĂĽrnberg. Auch Angie Olbrich, die Sängerin, gehört den neuen „Scherben“ an.

Seit 2015 ist die Band somit wieder „on Tour“. Und es ist sehr erstaunlich, dass die einst als „legendärste Band Deutschlands“ bezeichnete  Rockgruppe, von der zwei Mitglieder seit Jahren in Boren im Amt SĂĽderbrarup wohnen, erst jetzt ihren ersten Auftritt in Kappeln hatte. Das wird sich ändern. Das bewies der Auftritt in der „Palette“. Die Veranstaltung war nicht nur vorzeitig ausverkauft, die Besucher aller Altersklassen erwiesen sich als sehr textsicher, kannten fast alle Songs und sangen mit Begeisterung mit. Das galt nicht nur fĂĽr die StĂĽcke der neusten CD  â€žRadio fĂĽr Millionen“, von der ein GroĂźteil der vorgetragenen StĂĽcke stammte, sondern auch fĂĽr die Titel der 70-er Jahre. Und dabei wurde nicht nur kräftig mitgesungen, sondern auch mitgezuckt.

In zwei  jeweils mehr als einstĂĽndigen Sets stellte die Band „Ton Steine Scherben & Gymmick“ ihre Songs in  blendender professioneller Form vor. Gesanglich mit dem neuen Frontmann  Gymmick gut aufgestellt – er gilt aus „Songpoet aus NĂĽrnberg“ – und perfekt im Zusammenspiel, boten sie ihren Gästen einen auĂźergewöhnlichen Konzertabend.

Der startete mit dem Titel  â€žDurch die WĂĽste“ aus den 80-er Jahren. Schon der Text des 1. Songs „Ich komme aus der WĂĽste aus Stahl und Glas“ zeigte, wie „Ton Steine Scherben“ die damalige GroĂźstadtszene interpretierte. Weiter ging es kritisch mit „Name ist Mensch“. Und das gilt fĂĽr jede Hautfarbe, aber auch dafĂĽr, egal wieviel Väter und MĂĽtter der Betreffende hat.

Weitere Titel waren nicht minder kritisch wie u. a. „Land in Sicht“ (1974), „Arbeitslosenreggae“

(70-er) oder „Turm stürzt ein“ (1972). Mit „Zauberland“ ging es nach fast anderthalb Stunden in die Pause. Mit „Irrenanstalt“ startete der zweite Teil. Auch hier ging es in gewohnter Weise weiter, mit kritischen Texten und rockig-fetziger Musik. Die neuen „Scherben“ schafften so das, was sie versprochen hatten: Den Zauber der Songs der „Scherben“ und von Rio Reiser zurück auf die Bühne zu bringen.

Die Besucher, egal welcher Altersgruppe zugehörig, waren begeistert. So sehr begeistert, dass sie die Akteure nach regulärem Konzertende drei Mal für Zugaben zurück auf die Bühne holten. So kamen sie in den zusätzlichen Genuss weiterer Titel wie „Keine Macht für Niemand“ (1972), „Jenseits von Eden (1982), „König von Deutschland“ (1982), „Traum ist aus“ und „Junimond“ (1985).

In der Begeisterung der Besucher zeigte sich, dass das Trio seine Besucher im Griff hatte, - respektvoll und zärtlich. Es präsentierte ihnen ein  StĂĽck Musikgeschichte, das heute so brennend aktuell ist wie in den „rebellischsten Anarchozeiten der wilden 70er“. Und das war Spitze.


  Datum: 01.11.18 09:00 Uhr



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