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  29, Niederdeutscher Literatur der Stadt Kappeln vergeben

Von: Werner Barz


(v.l.) Moderator Jan Graft, Bürgervorsteher Frank Nickel, Literaturpreisträgerin 2019 Dörte Hansen bei der Übergabe von Urkunde, Scheck und Blumenstrauß.

Jan Graf im Gespräch mit der 29. Literaturpreisträgerin Dörte Hansen.

KAPPELN (rz).
Die Preisträgerin des zum 29. Mal vergebenen „Niederdeutschen Literaturpreises der Stadt Kappeln“ des Jahres 2019 heißt Dörte Hansen. Die gebürtige Husumerin, die noch heute mit ihrer Familie in Nordfriesland lebt, sieht Plattdeutsch als ihre Muttersprache an, in der sie aufgewachsen ist. Nach dem Studium der Linguistik, arbeitete sie beim NDR als Redakteurin. In der Reihe „Hör mal´n beten to“ war sie auch schon zu hören.
Den Niederdeutschen Literaturpreis vergibt die Stadt Kappeln seit 1991 an Autoren, Künstler oder Schriftsteller für „herausragende Leistungen im Bereich des Niederdeutschen“. Die Preisvergabe findet immer im November statt, kurz vor der Weihnachtszeit. Die Preisträger werden alljährlich von einer unabhängigen Jury des Schleswig--Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) ausgewählt.
Die diesjährige Preisvergabe fand erstmalig unter dem NDR-Moderator Jan Graf. Er war für die Anwesenden kein Unbekannter. 2011 war er mit dem Kappelner Literaturpreis ausgezeichnet worden.
Vor der Preisvergabe, die in der bis auf den letzten Platz gefüllten „Alten Maschinenhalle“ stattfand, begrüßte Bürgermeister Heiko Traulsen die Anwesenden, darunter auch Landtagspräsident Klaus Schlie, die MdLs Paulsen (SPD) und Callsen (CDU), Kreistagsabgeordnete und Stadtvertreter, SHHB-Mitglieder, ehemalige Preisträger und der Vizepräsident des SHHB, Hermann-Josef Thoben, der im Anschluss die Grüße seines Verbandes überbrachte. Er, wie auch Landtagspräsident Klaus Schlie, lobte die Romane von Dörte Hansen, die der niederdeutschen Kultur ein Denkmal gesetzt haben. Es ist Heimatliteratur pur.
Anschließend nahmen Bürgervorsteher Frank Nickel und Bürgermeister Heiko Traulsen gemeinsam die Siegerehrung vor. Sie teilten sich die Arbeit. Der Bürgermeister las die Begründung für die Preisvergabe an Dörte Hansen vor und übergab Ehrenurkunde und einen Blumenstrauß. Bürgervorsteher Nickel übergab den Riesenscheck über 3.000 Euro.
Die Jury-Begründung lautet: „Dörte Hansen gehört zu den bekanntesten Autorinnen des deutschsprachigen Raumes. Ihr 2015 erschienener Roman „Altes Land“ beherrschte monatelang die Bestsellerlisten. Auch Hansens zweiter Wurf „Mittagsstunde“ fand begeisterte Aufnahme. Angepasst an die tatsächlichen sprachlichen Verhältnisse im Handlungsraum Nordfriesische Geest sprechen einige Figuren des Romans Plattdeutsch. „Mittagsstunde“ macht daher seit dem vergangenen Jahr die Regionalsprache über den tatsächlichen Aktionsraum niederdeutscher Literatur hinaus sichtbar. Das Plattdeutsche handhabt Dörte Hansen mit wohltuender Selbstverständlichkeit. Sie ist damit aufgewachsen und spricht es in Familie und Umfeld. Als Linguistin legte sie Mitte der neunziger Jahre eine aufwändige Forschungsarbeit zur norddeutschen Zweisprachigkeit vor. „Transfer bei Dyglossie – Synchrone Sprachkontakte im Niederdeutschen“. Ihre einschlägige Dissertation wird häufig zitiert. Bevor Hansen den NDR verließ, um Romane zu schreiben, war sie auch in plattdeutschen Sendereihen wie „Hör mal´n beten to“ aktiv und wurde gern gehört. Ob in einer solchen Radiokurzform oder aber in der Breite eines Romans: Die ebenso pointierte wie lakonische Wiedergabe scharfer Beobachtungen – gerne auch mit dem „bösen Blick“ – prägte und prägt Dörte Hansens Stil. Dass eine Autorin vom Format Dörte Hansens mit profunder Kenntnis, mit leichter Hand und ohne sie zu desavouieren, stets wieder Bezug nimmt auf ihre Muttersprache ist ein Glücksfall für die niederdeutsche Literatur.“
Die anschließende Laudatio übernahm Frau Dr. Barbara Scheuermann vom von der Fachgruppe Niederdeutsch des Niedersächsischen Heimatbundes.
Zum Abschluss stellte Dörte Hansen „op Platt“ das erste Kapitel ihres neuen Romans „Mittagsstunde“ vor. Das Kapitel war eigens zu diesem Zweck ins Plattdeutsche übersetzt. Darin geht es um Marret, die Tochter der Familie Feddersen, die wegen ihrer Weltuntergangsprophezeiungen ihres Heimartortes „Brinkebüll“ nur „Marret Ünnergang“ genannt wird. Und weil die Zeit noch reichte, legte Dörte Hansen noch das Kapitel mit Marrets Sohn Ingwer nach. Der Jahre später die Erfahrung macht, dass Platt in der Stadt als „geeignet für einen Volkshochschul-Kurs“ gesehen wird.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend in der „Alten Maschinenhalle“ von dem „Duo Draghset“, benannt nach dem ältesten Husumer Gasthof, mit Kalle Johannsen und Manuel Knortz mit Gesang und Gitarrrenbegleitung.


  Datum: 24.11.19 09:00 Uhr



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